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11.10.2008
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Ausland
Ein Konvoy der Armee (APC) kontrolliert die Straßen in Lhasa, Tibet.
Anti-chinesische Ausschreitungen in Tibet

China stellt Demonstranten Ultimatum

Einen Tag nach den heftigsten anti-chinesischen Protesten in Tibet seit fast zwei Jahrzehnten haben die Sicherheitsbehörden den Demonstranten eine Frist gesetzt, um sich zu ergeben. Wer sich bis Montag um Mitternacht stelle, werde "mit Nachsicht" behandelt und könne mit Strafminderung rechnen, hieß es laut der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua in einer Verlautbarung.

Zehn oder 100 Tote?

Militärkonvoi in Lhasa (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Weitere Proteste erwartet: Die chinesische Polizei riegelte heute Teile von Lhasas Innenstadt ab. ]
Zudem teilten die Behörden mit, dass bei den gewalttätigen Protesten in der tibetischen Hauptstadt Lhasa zehn Menschen getötet worden seien. Dabei habe es sich mehrheitlich um Händler gehandelt. Ein hoher Beamter der tibetischen Regierung sagte den Angaben Xinhuas zufolge, die Opfer seien "alle unschuldige Bürger", die ums Leben gekommen seien, als Geschäfte in Brand gesetzt wurden. Die tibetische Exilregierung im indischen Dharamsala sprach dagegen von 100 Toten. Allerdings seien die ihr vorliegenden Berichte noch "unbestätigt".

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Unterdessen stellten sich die chinesischen Sicherheitskräfte auf weitere Protestaktionen ein. In Lhasa habe die Polizei Teile des Stadtzentrums abgeriegelt und beobachte die Situation aufmerksam, meldete Xinhua. Das Mobilfunknetz in der Hauptstadt der autonomen Region Tibet wurde offenbar unterbrochen - möglicherweise um Versuche zur Organisation von Protesten zu verhindern. Xinhua verbreitete eine Erklärung, in der sich die chinesischen Behörden überzeugt zeigten, "die soziale Stabilität Tibets" aufrechterhalten zu können. "Die Komplotte sehr weniger Personen gegen die Stabilität und Harmonie Tibets laufen dem Volkswillen zuwider und sind zum Scheitern verdammt", hieß es darin weiter.

Der Vorsitzende der Regionalregierung, Qiangba Puncog, bestritt Berichte, dass in Lhasa das Kriegsrecht verhängt worden sei. Auch hätten die Behörden bei ihrem Vorgehen gegen Demonstranten keine Schüsse abgegeben, sagte er. Lediglich Warnschüsse seien gefallen.

Straßenproteste in der Hauptstadt Tibets, Lhasa. (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Nach heftigen Protesten mit mehreren Toten...]
Straßenproteste in der Hauptstadt Tibets, Lhasa. (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: ...herrschte gestern in Lhasa "totales Chaos".]
China beschuldigte das im Exil lebende geistliche Oberhaupt der Tibeter, den Dalai Lama, für die Unruhen verantwortlich zu sein. Ein Sprecher des Dalai Lama wies dies zurück. Anlass der Proteste ist der 49. Jahrestag des gescheiterten Aufstandes gegen die chinesische Herrschaft in der Himalaya-Region. Diese festigt die Regierung Peking seit Jahrzehnten, indem sie Millionen Han-Chinesen in Tibet ansiedelt. Die Tibeter würden damit zu einer Bevölkerungsminderheit, beklagt der Dalai Lama.

Proteste in Lhasa und weltweite Tibet-Demos Bilder: Bilderstrecke Proteste in Lhasa und weltweite Tibet-Demos [mehr]

Proteste im Vorfeld von Olympia

Im Vorfeld der Olympischen Sommerspiele in China verschärften die Tibeter schon seit Tagen ihre Kampagne gegen Pekings Herrschaft. Am Freitag begannen die Proteste in Lhasa zunächst mit einem friedlichen Protestmarsch von rund hundert Mönchen. Auf dem Weg schlossen sich immer mehr Menschen an. Als chinesische Sicherheitskräfte einschritten, sollen die Proteste in Gewalt umgeschlagen sein.

Straßenproteste und brennende Autos in der Hauptstadt Tibets, Lhasa. (Foto: AFP) [Bildunterschrift: Demonstranten setzten Autos und chinesische Geschäfte in Brand. ]

Aufgebrachte Tibeter verwüsteten die Läden von chinesischen Besitzern und setzten sie in Brand. Auf dem Platz vor dem Jokhang-Tempel in der Altstadt wurden Polizisten und Feuerwehrleute attackiert, mehrere Fahrzeuge gingen in Flammen auf. "Die Menschen hatten Stöcke und Steine in den Händen und rannten damit auf die Polizisten los", berichtete eine Augenzeugin. Die Polizeikräfte hätten zunächst vor der aufgebrachten Menge zurückweichen müssen.

Stand: 15.03.2008 10:21 Uhr
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