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Bloggen in Japan: 

Blog macht Sängerin zum Literaturstar

29. Mrz 2008 09:10, ergänzt 11:36
Sängerin, Dichterin, Bloggerin: Mieko Kawakami
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Das Beispiel der Sängerin Mieko Kawakami zeigt, wie sehr Weblogs in Japan zum persönlichen Erfolg beitragen können. Es beweist aber auch, wie verbreitet Blogs in Japan sind.

Mieko Kawakami arbeitete schon als Kellnerin, in einem Buchladen und als Sängerin. Dann begann sie ein Blog zu schreiben, das sie fast schlagartig bekannt und zum derzeit größten Literaturstar in Japan machte. Die 31-Jährige gewann in diesem Jahr den Akutagawa-Preis. Der nach Ryunosuke Akutagawa, dem Autor von «Rashomon», benannte Literaturpreis ist der wichtigste für einen Newcomer in Japan.

Die Bedeutung, die Blogs in Japan haben, kann dabei gar nicht hoch genug eingestuft werden. Wie die Betreiber des Blogportals Technorati erklärten, gibt es auf Japanisch mehr Blogs als in jeder anderen Sprache. Technorati hat weltweit rund 113 Millionen Blogs erfasst. Im vergangenen Jahr waren demnach 37 Prozent aller Blogeinträge auf Japanisch - rund 1,5 Millionen jeden Tag. Alle Einträge auf Englisch - von US-Amerikanern, Briten, Australiern und anderen, die in dieser Weltsprache schreiben - kamen zusammen auf 36 Prozent.

Der Erfolg von Kawakami ist aber dennoch in jeder Hinsicht ungewöhnlich. Der US-Autor Steve Weber, der ein Buch über das Marketing von Büchern im Internet geschrieben hat, verweist aber darauf, dass japanische Schriftsteller dort schon viel weiter sind als Autoren im Westen. Viele haben erfolgreiche Bücher veröffentlicht, nachdem sie ihre Geschichten zum Beispiel als Texte für Mobiltelefone veröffentlich hatten.

«Populäre Blogger sind sicher ein Ziel von cleveren Verlegern, denn sie wissen, dass die Autoren die harte Arbeit des Marketings schon erledigt haben», erklärte Weber in einer E-Mail. «Sie haben schon ihr Publikum.»

Aus Postings werden Bücher

Als Kawakami 2003 zu schreiben begann, kannte sie nur ihr engerer Freundeskreis. Inzwischen zählt sie täglich 10.000 Leser. Am 16. Januar aber waren es 200.000. Es war der Tag, an dem sie den Akutagawa-Preis bekam. «Am Anfang war das Blog der einzige Ort, den ich hatte, um etwas zu schreiben», erklärt Kawakami. «Man weiß, wie viele Menschen es lesen, und so weiß man sofort, wenn man etwas geschrieben hast, das auf Interesse stößt.»

Sie begann ihr Blog eigentlich, um auf ihre Musik aufmerksam zu machen, wie sie erklärt. Aus ihren Einträgen wurde dann ihr erstes Buch. Ihr drittes Buch gewann den Akutagawa-Preis. Unumstritten war diese Auszeichnung aber nicht. Harte Kritik äußerte beispielweise Shintaro Ishihara, der rechtsgerichtete Gouverneur von Tokio, der den Akutagawa 1955 gewann und der in der Jury sitzt. «Das Egozentrische, die Selbstbeschäftigung in ihrer Arbeit, das ist unangenehm und einfach unerträglich», schrieb er in der Zeitschrift «Bungeishunju».

Neue Frauenliteratur

Von vielen wird sie aber gelobt und geliebt, weil sie in dem Dialekt ihrer Heimatstadt Osaka schreibt. Dieser gilt inzwischen vielfach als «hip» und wird auch gerne von Standup-Comedians verwendet.

In ihrer preisgekrönten Geschichte «Chichi to Ran» («Brüste und Eier») geht sie der Frage der Trennung nach, stellt Schönheitsideale infrage und widmet sich weiteren Themen, wie sie alleinlebende Frauen interessieren. Es ist ein relativ neues Feld in der japanischen Literatur. «Es geht um das Leben, unseren Körper, die Veränderungen des Herzens, die unseren Körper begleiten», sagt Kawakami, «um die Tatsache, dass wir immer unser Bestes im Leben geben.» (Yuri Kageyama/AP)


 
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