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27.07.2005

'Windows Vista', ein Fehlgriff?

Aus "Windows Longhorn" soll nach Ankündigung Microsofts "Windows Vista" werden. Doch das könnte gegen die Markenrechte anderer Unternehmen verstoßen, die den Begriff "Vista" bereits verwenden.

Sollte das wirklich zutreffen, dann wäre das natürlich eine peinliche Schlappe für das Unternehmen aus Redmond und sein "Windows Vista" Vor allem, weil eines der vielen Software-Unternehmen, das die Zeichenfolge "Vista" benutzt, ebenfalls dort ansässig ist. Ein Marketing-Berater aus Chicago meint daher gegenüber der Washington Post, dass Microsoft wohl "ein wenig lax" bei der Namensgebung war und die notwendige Sorgfalt vermissen ließ. "Vielleicht, weil sie so groß sind, vielleicht, weil sie so mächtig sind, vielleicht, weil sie glauben, sie könnten ungestraft alles tun".

Tatsächlich scheint es ein wenig unvorsichtig von Microsoft, ein so wichtiges Produkt wie ein neues Betriebssystem mit einem Namen zu versehen, der schon bei einer Recherche beim US-Patentamt (TESS-Datenbank) zu über 1.100 Treffern führt. Über 180 "Trademarks" für Produkte und Dienste aus dem Software-Umfeld tragen die fragliche Zeichenfolge. Darunter beispielsweise auch der Adware bzw. Spyware-Distributor Claria, dessen Forschungsabteilung als "Vista Labs" bezeichnet wird. Auch dieses Labor macht die Namenswahl Microsofts angreifbar.

Allerdings kann man auch zum genau gegenteiligen Eindruck kommen. Denn welche Möglichkeiten haben diese Unternehmen, gegen Microsoft rechtlich vorzugehen? Ganz abgesehen davon, dass Microsoft finanziell weitaus potenter ist, als vermutlich alle denkbaren Kläger zusammen, kann Microsoft wohl jeder Einzelklage gelassen entgegensehen. Denn keine der Marken kann als "berühmte Marke" gelten, sieht man vielleicht von AltaVista ab, der ersten "echten" Suchmaschine des WWW, die inzwischen als Träger-Plattform für Overture-Werbeanzeigen Yahoos dient.

Ansonsten ist der spanische Ausdruck "Vista" vermutlich auch in der englischen Sprache als generisch anzusehen. Zumindest taucht der Begriff in englischen Wörterbüchern (z.B. LEO) auf und wird dort unter anderem mit "Ausblick", "Durchblick" oder "Perspektive" übersetzt.

Und gerade dieser Umstand, dass es sich um einen generischen Begriff handelt, sollte zu denken geben. Denn das schwächt einerseits die Position aller beteiligten Parteien. Microsoft aber hat es bei dem Namen "Windows" bereits vorgemacht, dass sich ein generischer Begriff selbst dann schützen lässt, wenn ein anderes Unternehmen entschieden dagegen vorzugehen versucht.

Das zeigte sich nicht zuletzt beim Rechtsstreit zwischen Microsoft und Lindows. Dort konnten zwar fast alle Argumente Microsofts ausgehebelt werden und es sollte sogar der Nachweis erbracht werden, dass andere Unternehmen den Begriff "Windows" schon vor Microsoft zur Bezeichnung von "Software-Fenstern" verwandt haben. Doch das alles war im Grunde zwecklos.

Lindows heißt heute Linspire und Microsoft Windows blieb erhalten. Wer wollte da behaupten, dass Microsoft hinsichtlich der Namenswahl nicht über genügend "Ausblick", "Durchblick" oder "Perspektive" verfügt?


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Links zu diesem Artikel

Windows Vista
TESS-Datenbank
Microsoft Vista May Face Trademark Trouble
AltaVista
LEO

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