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18.01.2005

Strategiewechsel bei Anti-P2P-Dienstleister

BayTSP, ein privates Ermittlungsunternehmen, das im Auftrag der Musik- und Filmindustrie nach Urheberrechtsverstößen in P2P-Umgebungen fahndet, will nun auch eine Wunderwaffe gegen den Bit Torrent- und eDonkey-Tausch gefunden haben.

Die Pressemitteilung, in der BayTSP den neuen Service "FirstSource" ankündigt, wurde bereits am 3. Januar veröffentlicht, doch sie blieb bisher weitgehend unbeachtet. Vielleicht, weil die Ankündigung sehr vage und oberflächlich gehalten ist.

Aber das ist bei Unternehmen dieser Art nicht unbedingt ungewöhnlich und das Kommunikationsziel der Pressemitteilung dürfte es auch weniger sein, technische Hintergründe zu vermitteln. Vielmehr wird angestrebt, einen Strategiewechsel des Unternehmens und seiner Auftraggeber bekannt zu geben.

Seit etwa anderthalb Jahren geht die Musikindustrie gegen die Online-Piraterie vor und inzwischen hat sich auch die Filmindustrie diesem Vorgehen angeschlossen. Doch die Herausforderung, der sich die Interessenvertreter in der Gestalt der Industrieverbände RIAA und MPAA stellen müssen, hat sich in den vergangenen Monaten deutlich geändert.

Als die ersten Ermittlungen der RIAA einsetzten und die ersten darauf basierenden Klagen eingeleitet wurden, wurde die P2P-Szene noch von herkömmlichen, dezentralen Tauschbörsen im Stile Kazaas dominiert. Um die Anwender vor der Benutzung dieser Systeme abzuschrecken, werden seitdem in fast regelmäßigen Abständen Dutzende neuer Gerichtsverfahren initiiert. Die Verbreitung von Angst wurde als einfachste Methode zur Bekämpfung der Piraterie angesehen.

Doch mittlerweile ist mit eDonkey und vor allem mit dem Bit Torrent-Protokoll eine neue Situation eingetreten. Hier gibt es keinen zentralen Fundus mehr, bei dem nach einem bestimmten Werk gesucht werden kann und bei dem der Inhalt des eigenen "Shared Folders" zur Tummelwiese aller anderen Nutzer wird. Beziehungsweise zum protokollierten Sündenregister für nachfolgende Klagen.

Bei Bit Torrent treten an die Stelle eines solchen gemeinsamen Katalogs vielmehr Sammelstellen für maschinelle Download-Anleitungen, die Torrents. Außerdem können sich hier die P2P-Nutzer nicht mehr wie bei Kazaa vor einem eigenen Upload-Angebot drücken. Wer mit Bit Torrent Dateien laden möchte, muss zwangsläufig auch selbst zum Anbieter werden.

Unter diesen Bedingungen kann sich der Download zum regelrechten "Sturzbach" (engl. Torrent) entwickeln. Aber diese Metapher gilt auch für die Zahl der Teilnehmer an einem solchen Datenstrom. Ausgehend von einem einzigen "Samen" (Seeds) können bald Dutzende Teilnehmer diese Rolle übernehmen während Hunderte oder gar Tausende gleichzeitig mit dem Up- und Download beschäftigt sind.

Gleichzeitig wird bei diesem Verfahren eine beliebte Gegenmaßnahme der Industrie ausgeschaltet: Die Verbreitung von Fake-Dateien, bei denen der Dateiname zwar auf ein urheberrechtlich geschütztes Werk schließen lässt, deren Inhalt aber bestenfalls als Müll zu bezeichnen ist. Solche faulen Äpfel werden bei Bit Torrent umgehend aussortiert.

Doch nun will BayTSP auch für diese P2P-Spielarten die richtige Abwehr gefunden haben. Denn mit "FirstSource" soll es möglich sein, auch den Bit Torrent-Nutzern den Tausch zu vergällen. Sehr viele Details werden dazu wie gesagt nicht gegeben, doch das Verfahren scheint in erster Linie darin zu bestehen, das Download-Angebot fortwährend zu überwachen.

Wird nun ein überwachtes Werk eines BayTSP-Kunden zum Download angeboten, so wird zunächst die Authentizität des Werkes überprüft. Verläuft dieser Test erfolgreich, wird keineswegs sofort interveniert. Vielmehr werden die IPs der 5, 10, 20 oder auch 100 ersten Nutzer protokolliert. Und es wird aufgezeichnet, welche Bestandteile der getauschten Dateien sie in den P2P-Umlauf gebracht haben. Damit werden Probleme bei der späteren Beweisaufnahme vor Gericht vermieden.

Das konkrete technische Vorgehen bei "First Source" wird wie gesagt nicht detailliert beschrieben. Doch der psychologische Hintergrund ist klar: Durch diese Ankündigung sollen gerade die besonders aktiven Torrent-Nutzer abgeschreckt werden. Denn sie machen aus einer kleinen Datensämling erst den gefürchteten Sturzbach.


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