Infos zur Kulturflatrate
Kompensation ohne Kontrolle: Die Kultur-Flatrate
Statt P2P-Netzwerke zu verbieten und ihre Nutzer massenweise zu kriminalisieren wollen wir die Kulturflatrate: für fünf Euro im Monat legal im Internet tauschen, so viel man will. Mit der Kulturflatrate sind alle zufrieden: Urheber werden für das Tauschen ihrer Werke entlohnt, Mensch darf frei tauschen und die Gesellschaft kann die Vorteile von P2P-Netzwerken und Internet nutzen, ohne durch DRM gehemmt zu werden (mehr zu DRM findet ihr hier).
Alte Kamellen von Musik- und Filmindustrie
Das Musik- und Filmindustrie da nicht mitgehen wollen, ist nichts Neues. Die Reaktionen dieser Akteure auf neue Technologien ähneln sich stark. Bereits die Einführung der Schallplatte, des Radios, des Kassettenrekorders und des Videorekorders brachten Probleme, denen die Musikindustrie durch Überwachung und Einschränkung begegnen wollte. So musste in den sechziger Jahren das Bundesverfassungsgericht das Vorhaben stoppen, jedes Spulengerät (erst Tonbandgeräte, später Kassettenrekorder) bei der GEMA registrieren zu lassen. Und in den achtziger Jahren wurde in den USA Sony (letztlich erfolglos) verklagt, weil sie mit ihren Videorekordern "Raubkopiermaschinen" hergestellt haben.
Das Modell "Radio" als besseres Vorbild für den Umgang mit P2P-Netzwerken
Als gutes Modell für die Lösung der Probleme mit den Tauschbörsen bietet sich das Modell "Radio" an. Das "Raubkopieren" sprich Aufnehmen von Musik, die im Radio gesendet wird zu privaten Zwecken, ist nämlich völlig legal. Ebenso dürfen die Radiostationen Musik über den Äther schicken, ohne dafür mit jedem einzelnen Rechteinhaber eine Abmachung treffen zu müssen. Dennoch geht die Musikindustrie daran nicht kaputt, was zum großen Teil daran liegt, dass die Urheberrechte ja nicht aufgehoben werden. Stattdessen erhalten die Rechteinhaber Geld aus dem Topf der GEMA.
Die Alternative: Legales Musiktauschen
Übertragen auf den Online-Bereich hieße das, dass das nichtkommerzielle Tauschen von Musik und Filmen legalisiert wird und dafür eine Gebühr zur Entschädigung der Rechteinhaber erhoben wird - die Kultur-Flatrate. Erhoben werden könnte diese Gebühr auf Computer und vor allem auf Internet-Zugänge, differenziert nach deren Schnelligkeit. Schätzungen aus der Wissenschaft ergeben, dass rund fünf Euro im Monat Gebühr für eine DSL-Flatrate ausreichen würden, um die Musiker, Plattenlabels und Studios für ihre Verluste durch das Herunterladen zu entschädigen - wirklich nicht besonders viel für den freien Zugang zum größten Medienarchiv der Welt.
Die spannende Frage ist natürlich, wie dieses Geld verteilt werden sollte. Hier sind viele Modelle denkbar. Am sympathischsten erscheint uns die Variante, das Geld einfach danach zu verteilen, welche Lieder wie oft heruntergeladen und gehört werden. Denkbar (aber nicht zwingend) ist aber auch eine Förderung bestimmter Musik- oder Filmformen, wie das zum Beispiel die Gema mit der E-Musik macht.
Auf alle Fälle aber gibt es einen wesentlichen Vorteil gegenüber der zu Recht unbeliebten und intransparent erscheinenden GEMA: Mit digitaler Technik lässt sich relativ leicht anonym feststellen, welche Musik wie oft heruntergeladen und gehört wird, so dass eine neue "Verwertungsgesellschaft Online" nicht wie die Gema auf ungenaue und oft ungerechte Schätzungen angewiesen wäre. Noch genauere Zahlen kann man erreichen, wenn man zusätzlich Mittel der Meinungsforschung (Sampling) anwendet.
Das Modell der Flatrate wird seit einigen Jahren in der Wissenschaft lebhaft diskutiert, etwa von Volker Grassmuck von der Humboldt-Universität Berlin oder William W. Fisher III aus Harvard, die zusammen mit zahlreichen anderen Vertretern von Wissenschaft und Zivilgesellschaft Anfang Juni 2004 die Berlin Declaration verfasst und unterstützt haben, mit der die EU-Kommission aufgefordert wird beim aktuellen Richtlinienprozess die Idee der Flatrate zu berücksichtigen.
Vorteile der Kultur-Flatrate
Auf der Hand liegt der Vorteil, dass mit der Flatrate jeder legal auf ein riesiges Musik- und Filmangebot zugreifen kann. Ein zentraler Vorteil ist auch, dass nicht weiter Hunderttausende User kriminalisiert werden, mit all den Kosten, die das für die Opfer der Klagewelle hat und für Polizei und Gerichte, die durch eine Flut von Verfahren blockiert würden. Vorteil: Die Nutzer bleiben dabei anonym. Das individuelle Downloadverhalten wird nicht erfasst und die Erhebung der Kulturflatrate erfolgt beim Internet-Provider ohne die Erhebung personenbezogener Daten. Die informationelle Selbstbestimmung bleibt also gewahrt. Denn Nutzerdaten die nicht erhoben werden können auch nicht missbraucht werden. Zudem sind nicht zig Einzelabrechnungen vonnöten. Die beiden bisherigen Hauptgründe zur Umgehung eines DRM-Systems entfallen also.
Ebenfalls profitieren werden die Freiheit im Internet und die freie Software, die sonst durch Digital Restrictions Management und "Trusted Computing" massiv eingeschränkt würden. Zu den Gewinnern zählten z.B. aber auch die kleinen Bands, die nun auch ohne Plattenlabel ihre Musik verbreiten könnten und dafür vergütet werden können. Diese Dezentralisierung kann für die Künstler nur gut sein, da sie aus der Abhängigheit von den großen Plattenkonzernen befreit würden.
Nachteile, die im Vergleich zum Modell Digitale Rechte Minimierung (DRM) leicht aufgewogen werden
Natürlich gibt es auch Nachteile. Einer ist, dass jeder Internet-Nutzer die Flatrate zahlen müsste, unabhängig davon, ob er Musik herunterlädt oder nicht. Das stimmt. Doch ist dieses Modell der pauschalen Abrechnung nichts Neues. Auch Gemeinden kassieren Straßenreinigungsgebühren, Krankenkassen Versicherungsbeiträge und die Gema Leerkassettenabgaben unabhängig davon, ob wirklich eine Leistung in Anspruch genommen wird. Eine Einzelabrechnung ist in all diesen Fällen wie bei der Kultur-Flatrate eben nicht praktikabel.
Ein zweiter Nachteil ist, dass eine neue Verwertungsgesellschaft aufgebaut werden müsste die natürlich auch Kosten und Bürokratie verursacht. Allerdings dürften diese deutlich unter den Kosten liegen, die ansonsten für Strafverfolgung, Kopierschutz und Gerichtskosten ausgegeben werden müssten, ganz zu Schweigen vom gläsernen Mediennutzer der ja dann Preisdiskrimineirung erst richtig möglich macht.
Wie die angeblich so schwer wiegenden Nachteile von der Anti-Flatrate Lobby ausgenutzt werden
Die eigentlichen "Nachteile", die eine Einführung der Flatrate behindern, liegen woanders: Verlieren würden nämlich die Plattenfirmen, die bisher wesentlich mehr Kontrolle über den Markt haben. Ebenfalls verlieren würden die Hersteller von DRM-Technologie und in geringem Maß auch die Online-Musik-Shops (die ihr Geld dann mit Mehrwert vedienen würden, genauso wie dies bei Open Source Software auch heute schon funktioniert). Diese mächtige Lobby blockiert mit ihrer beispiellosen Verleumdungs- und Angstkampagne (z.B. "Raubkopierer sind Verbrecher") bisher den innovativen Vorschlag der Flatrate. Aber selbst in der Musikindustrie gibt es die ersten die einsehen, dass auf die Dauer Geschäfte nicht gegen die Kunden gemacht werden können.
Viele der von dieser Lobby genutzten Argumente gegen eine Kultur- Flatrate erweisen sich bei näherem Hinsehen als vorgeschoben und so nicht ganz richtig. Eine hübsche Zusammenstellung dazu: (Link zu) Die Sieben Thesen zerlegt.
Basierend auf einem Spiegel-Online-Artikel von Oliver Moldenhauer.
SPENDE - Unterstütze die Fairsharing-Kampagne finanziell
Macht mit bei unserem Wettbewerb: Entwerft eine Kampagne zur Kulturflatrate und sahnt u.a. bis zu 1.000 Euro ab.
Schalte Banner auf Deiner Webseite
Mach mit beim Bannerwettbewerb
Finden
Suche in www.fairsharing.de |
|
Mit finanzieller Unterstützung der