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Die dunkle Seite des Amokschützen

Steve Kazmierczak, der an der Northern Illinois Univerity (NIU) fünf Menschen und sich selbst tötete, galt als Musterschüler. Doch er hatte noch eine verborgene, zweite Seite.

Der 27-jährige Steve Kazmierczak wirkt auf Fotos jungenhaft und wurde von Mitstudenten als intelligent, gesellig und hilfsbereit beschrieben. Er studierte in der Vergangenheit selbst an der NIU, wo er vor zwei Jahre für seine Soziologie-Arbeit über Selbstverstümmelung in Gefängnissen vom Dekan ausgezeichnet wurde. Er hatte an der NIU auch das Amt des Vizepräsidenten der «Academic Criminal Justice Association» innegehabt.

Was seine Mitstudenten damals nicht wussten, war, dass ihn seine Eltern nach der High School in den späten neunziger Jahren in eine psychiatrische Klinik einwiesen liessen. Er litt offenbar unter Selbstverstümmelungstendenzen und wehrte sich dagegen, seine Medikamente zu nehmen, wie ein ehemaliger Angestellter der Einrichtung gegenüber die Nachrichtenagentur AP berichtete. Kazmierczak weigerte sich demnach, seine Krankheit zu akzeptieren.

In den letzten fünf bis sechs Monaten scheint sich der mentale Zustand Kazmierczaks schliesslich immer weiter verschlechtert zu haben. Er liess sich in dieser Zeit zusammen mit seiner Freundin mehrere Tätowierungen stechen. Er wählte für seine drei Tattoos beunruhigenden Motive aus. Eine Tätowierung zeigt die Horrorpuppe aus den «Saw»-Filmen, die auf einem Dreirad durch eine Blutlache fährt. Seit August beschaffte er sich zudem auf legalem Weg vier Feuerwaffen, die er später für seine Bluttat verwendete. Über die Beziehung zu seiner Freundin gibt es widersprüchliche Angaben. Einerseits soll sie nach aussen sehr harmonisch gewesen sein. Doch offenbar war das nur schöner Schein. Ein Bekannter des Paares sagte gegenüber AP, dass sie sich öfters getrennt hätten, um danach immer wieder zusammen zu kommen. Kazmierczak sei sehr kontrollierend gewesen. Zwar habe er seine Freundin nicht geschlagen, sie aber immer wieder herumgestossen.

Zwei Wochen vor dem Amoklauf hörte Kazmierczak schliesslich auf, seine Medikamente zu nehmen. Sein Verhalten sei danach sehr unberechenbar geworden, sagte Donald Grady, der Polizeichef der Universität. Dennoch deutete zwei Tage vor der Amoklauf nichts auf die Tat hin. Sein Pate sprach damals am Telefon mit Kazmierczak. Der spätere Mörder wirkte aufgestellt und scherzte mit seinem Götti und versprach am Sonntag wieder anzurufen. Am Donnerstag waren er und fünf unschuldige Menschen tot.

(jcg)